1900

29. Spieljahr
174.000 Zuschauer.

Oberammergau baut eine gigantische Zuschauerhalle mit 4.200 Sitzplätzen - eine Eisengerüstkonstruktion mit sechs hohen Bögen auf der eine aus Holz gebaute Halle ruht und die nach vorne zur Freilichtbühne geöffnet ist.
Die Gäste kommen aus der ganzen Welt. Im Opferstock der Kirche finden sich Münzen aus Ägypten, Indien, Hongkong, Dollars aus USA, Mexiko, Brasilien, Bolivien und aus Peru. Erstmalig wird das Passionsspiel von einem jüdischen Theologen analysiert.

Rabbi Joseph Krauskopf schreibt einen großen Aufsatz mit dem Titel „A Rabbi's Impressions of the Oberammergau Passion Play“.

Der Prolog Joseph Mayer

Christusdarsteller Anton Lang

Otto Günzler schreibt in seinem Buch BERÜHMTES DORF – BERÜHMTE GÄSTE: „Die Jahrhundertwende ist eine Zeit des sozialen und politischen Umbruchs, alles scheint gefährdet. Oberammergau wird zum Symbol des Kampfes gegen den Untergang der alten Ordnung. Dementsprechend liest sich die Gästeliste der Passionsspiele von 1900/10. Am Vorabend des ersten Weltkriegs versammeln sich in Oberammergau fast alle Repräsentanten des europäischen Adels, aber auch der Ölmagnat John Davidson Rockefeller, der Architekt August Eiffel, Graf Zeppelin, Ernst von Possart, Intendant der Münchner Hofbühne, die Opernsängerin Adelina Patti, der Dirigent Felix Mottl und eine Unzahl an Bischöfen aus aller Welt.“

Graf Ferdinand von Zeppelin, Begründer des Luftschiffbaus

Rabbi Joseph Krauskopf, Leiter der Reform Congregation Keneseth Israel 

Alexandre Gustave Eiffel, Ingenieur

Anreise zum Passionsspiel

Das Dorf Oberammergau

Christusdarsteller Anton Lang

1910

30. Spieljahr
Mit dem Anstieg auf 223.548 Besucher bei 56 Aufführungen erreicht das Spiel eine einzigartige Massenwirksamkeit. Die Besucherstruktur gleicht der von 1900.

Unter den Gästen sind der Präsident der USA William Howard Taft, Dirigent und Komponist Richard Strauß, der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal, König Gustav V. von Schweden und der Erzbischof von Mailand Achille Kardinal Ratti, der spätere Papst Pius XI.

 

Christus und Johannes

William Howard Taft, 27. Präsident der USA

Richard Strauß, Komponist

Der Erzbischof von Mailand Achille Kardinal Ratti, der spätere Papst Pius XI.

Gustav V., König von Schweden

1920

Keine Aufführung
Im Frühjahr 1918 beschloss der Gemeinderat, die Vorbereitungen für die Passion angesichts der hohen Zahl an Gefallenen des 1. Weltkrieges nicht voranzutreiben und erst einmal abzuwarten. Viele Musiker und Spieler hatten am Krieg teilgenommen und waren schwer verwundet oder gefallen. Unter den über 60 Gefallenen waren 17 Musiker. Das Spiel 1920 wurde abgesagt. Am 21. März 1921 stimmten die Oberammergauer bei einer Bürgerbefragung für ein Passionsspiel im Jahr 1922.

 

Blick auf Oberammergau von der Kreuzigungsgruppe

1922

31. Spieljahr

1922

Ein Neuanfang: Man wählt den jungen Bildhauer Georg Johann Lang (1889–1968) zum Spielleiter. Mit 311.127 Besuchern, davon ca. 100.000 aus dem Ausland, erfährt das Spiel einen unerwartet hohen Besucherandrang. Die Atlantic-Film-Companie macht der Gemeinde ein Angebot für die Aufzeichnung der Passionsspiele. Die Einnahmen der Passion 1922 beliefen sich auf rund 21,5 Mio. Mark. Das Angebot der Atlantic-Film-Companie betrug umgerechnet 14 Milliarden Mark. Die Gemeinde lehnte ab.
Prominente Besucher bei den Spielen sind 1922 u. a. Schriftsteller Joachim Ringelnatz, Handelsminister Herbert Hoover, der spätere Präsident der Vereinigten Staaten, Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII. und der italienische Komponist Giacomo Puccini.

Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII. mit Christusdarsteller Anton Lang

Handelsminister Herbert Hoover, der spätere Präsident der Vereinigten Staaten

Giacomo Puccini, Komponist

1930

32. Spieljahr
1929 setzte Spielleiter Johann Georg Lang auf eine völlige Neuinszenierung für das Jahr 1930 und konnte die Gemeinde überzeugen, dass er dafür auch eine neue Bühne benötigt. Die Bühne des Passionstheaters wird nach den Plänen von Georg Johann Lang  und seinem Bruder, dem Regierungsbaumeister Raimund Lang neu gebaut. Die Zuschauerhalle wird auf 5.200 Plätze erweitert.

1930 unternimmt Johann Georg Lang eine umfassende Neuinszenierung.

Spielleiter Johann Georg Lang und sein Bruder Bürgermeister Raimund Lang

Dem klaren, asketischen, monumentalen Stil der Bühne entspricht die künstlerische Konzentration der Bühnenbilder, dazu kommt eine eindrucksvolle Massenregie. Umgesetzt wurden seine Bühnenbildentwürfe durch den Maler Michael Zeno Diemer. Alle anfänglichen Ängste, die Inszenierung Langs könnte zu modern wirken, waren unbegründet. Dass Oberammergau mit dieser Inszenierung wieder auf der Höhe der Zeit ist, lässt sich auch daran erkennen, dass Regisseure wie Max Reinhardt oder Charles Dullin ihre Bewunderung aussprechen.

Das lebende Bild „Die Auferstehung“ im Jahr 1930.

Der erste indische Literaturnobelpreisträger und Dichter Rabindranath Tagore, der amerikanische Industrielle Henry Ford, der Premierminister des Vereinigten Königreichs James Ramsay MacDonald und die Königin Elisabeth von Griechenland zählen zu den Gästen.

Rabindranath Tagore, indischer Literaturnobelpreisträger

Elisabeth, Königin von Griechenland

James Ramsay MacDonald, Premierminister des Vereinigten Königreichs

Henry Ford, Automobilhersteller

1934

33. Spieljahr - Sonderspiel zum 300-jährigen Jubiläum

Die Gemeinde beschließt 1933 für das folgende Jahr die Veranstaltung von Jubiläumspassionsspielen aus Anlass des 300jährigen Jubiläums.
Der Einfluss der Nationalsozialisten macht auch vor dem Oberammergauer Passionsspiel nicht Halt. Das Dorf lässt sich von den neuen Machthabern vereinnahmen. Bürgermeister Raimund Lang vergleicht die Pest des Jahres 1634 mit „der Pest des Marxismus, die der Führer Adolf Hitler aufgehalten habe und dadurch die Ausrottung von Kultur und Christentum verhinderte“. Der Nationalsozialist Lang hat, nachdem er sich das Amt des Bürgermeisters unrechtmäßig angeeignet hat, den Gemeinderat und das Passionsspielkomitee gleichgeschaltet. Gegen den Willen des Ortsgeistlichen Pfarrer Bogenrieder bittet er den bayrischen Wirtschaftsminister und den Verfasser der Hetzschrift „Die jüdische Weltpest“, Hermann Esser, die Schirmherrschaft über das Spiel anzunehmen.


Zum „Schutz gegen die Überfremdung“ und zur „Sauberhaltung des Spiels“ erlässt das Passionskomitee strengere Mitwirkungsbestimmungen.

Auch der Haarerlass geriet zum Problem. Im Komitee diskutierte man darüber, dass lange Haare nicht in die neue Zeit passen und ein Zeichen der Verweichlichung sind. Trotzdem erließ man den Erlass, legte aber für Werbeveranstaltungen Kurzhaarschnitt fest.

Am 13. August besucht Hitler mit einer großen Entourage von Nazigrößen das Spiel. Er erklärt das „Spiel aus der segnenden Kraft der Scholle“ für „Reichswichtig“. Er nennt Pilatus einen Prototyp des „rassisch und intelligenzmäßig“ überlegenen Römers, der „wie ein Fels inmitten des jüdischen Geschmeißes und Gewimmels wirke.“
Goebbels machte die Passionsspiele zu einem Werbeträger für die Außenpolitik des Deutschen Reiches. Die Eintrittspreise wurden halbiert und das Spiel zu einer „nationalen Volkswahlfahrt“ erklärt. Die Machthaber verlangen den Aufdruck „Deutschland ruft Euch!“ auf die Plakate.
Am 24. Januar 1934 fordert Kardinal Faulhaber, dass die Rollen ausschließlich an Katholiken zu vergeben seien – „weil katholisches Gelübdespiel“ (Tagebucheintrag Faulhaber). Kardinal Faulhaber erteilt den offiziellen Lehrauftrag der Kirche, die „Missio Canonica“.
Spielleiter Johann Georg Lang will einen neuen Passionsspieltext – es ergeht ein Auftrag einer Neufassung der Passionsspiele an den Dramatiker Leo Weismantel (1888-1964), welcher jedoch wieder zurückgezogen wird. Gauleiter Wagner war dagegen.

Adolf Hitler auf der Bühne des Passionstheaters

Der französische Philosoph und Dramatiker Jean-Paul Sartre und die französische Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir besuchen gemeinsam das Passionsspiel. Auch der Medien-Tycoon William R. Hearst, König Prajadhipok - Rama VII – König von Siam Thailand und der Schauspieler Hans Albers sind unter den Besuchern des Jubiläumsspiels.

Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir

König Prajadhipok  Rama VII.,König von Siam Thailand

Hans Albers, Schauspieler 

William R. Hearst, Medien-Tycoon

1940

keine Aufführung
Zum zweiten Mal in der über 300-jährigen Geschichte der Passionsspiele finden, trotz der 1938 beginnenden Vorbereitung, auf Grund des 1939 ausgebrochenen II. Weltkriegs keine Passionsaufführungen statt.

 

1950

34. Spieljahr – 87 Vorstellungen.
In der Nachkriegszeit wurde das Passionsspiel von mehreren Intellektuellen - wie Arthur Miller und Leonard Bernstein - in einer Petition wegen der stereotypen und negativen Darstellung von Juden als antisemitisch verurteilt. Die Petition löste Empörung aus und die Oberammergauer wehrten sich heftig.
Die Passionsspiele 1950 waren von der vorangegangenen nationalen Katastrophe bestimmt, ein wirklicher Neuanfang wurde aber abgelehnt und eine

Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verweigert. Spielleiter Johann Georg Lang erklärte: „Wir haben ein reines Gewissen. Wir müssen ein Gelübde erfüllen, und unser Stück enthält nichts Anstoßerregendes." Wie schon 1922 wurde das Spiel als „Friedensspiel“ propagiert, als ein Zeichen der Völkerversöhnung. Es wurde als Chance gesehen, einem unerwartet zahlreich wiederkehrenden internationalen Publikum das andere Deutschland, die christlich-abendländische Tradition vorzuzeigen.

Im Grunde aber wird die Inszenierung von 1930/34 fast unverändert wiederholt.

Generalmusikdirektor Prof. Eugen Papst, ein gebürtiger Oberammergauer, bearbeitet die Musik von Rochus Dedler grundlegend.
Statt zu den ursprünglich vorgesehenen 33 Aufführungen kommt es tatsächlich zu 87 mit ca. 480.000 Besuchern. Tausende finden keinen Einlass.
Noch während der 1950er Aufführungen wünschte ein Teil der Oberammergauer bereits eine Reprise im folgenden Jahr. Als Grund wurden die entfallenen Spiele des Jahres 1940 genannt. Bayerns Kultusminister Alois Hundhammer erklärte, dass er in diesem Begehren keinen Bruch des Gelübdes erblicken könne. Kardinal Faulhaber jedoch sprach sich dagegen aus und setzte seinen Willen durch.

Chor und Orchester der Passionsspiele 1950

Unter den Besuchern sind Dwight D. Eisenhower, US-General und Präsident der Vereinigten Staaten von 1953 - 1961, Bundespräsident Theodor Heuss, Bundeskanzler Konrad Adenauer und Michael Kardinal Faulhaber, der Erzbischof von München und Freising.

Dwight D. Eisenhower, US-General und Präsident der Vereinigten Staaten von 1953 - 1961

Bundeskanzler Konrad Adenauer

Bundespräsident Theodor Heuss

Michael Kardinal Faulhaber, der Erzbischof von München und Freising.

Filmaufnahmen von Oberammergau 1950

1960

35. Spieljahr

Seitens christlicher wie jüdischer Kritiker wird Oberammergau erneut eine negative Darstellung des Judentums vorgeworfen. Der Ettaler Abt Dr. Johannes M. Höck nimmt kleine Korrekturen am Text vor. Zum letzten und fünften Mal leitet Johann Georg Lang das Passionsspiel.
Nach den Aufführungen von 1960 wird ein ‚Beratendes Gremium zur Frage einer Textänderung des Oberammergauer Passionsspiel’ - unter der Leitung von Dr. Clemens Graf Podewil (Akademie der Schönen Künste) - einberufen. In einer der Sitzungen bringt Hans Schwaighofer, gemeinsam mit Carl Orff, den Vorschlag ein, auf die Passio Nova von 1750 des Paters Ferdinand Rosners zurückzugreifen. Orff erklärt sich bereit, die Musik dafür zu komponieren. Der Vorschlag findet Zustimmung im Gremium und auch im Gemeinderat.

1960
1960

Der Kurienkardinal Gustavo Kardinal Testa, der Münchner Erzbischof Joseph Kardinal Wendel und der Publizist Erich Kuby sind 1960 Gäste des Passionsspiels.

Kardinal Joseph Wendel, Erzbischof von München und Freising

Kurienkardinal Gustavo Kardinal Testa auf der Bühne des Passionstheaters

Erich Kuby, Publizist

1970

36. Spieljahr

In Oberammergau wächst der Wunsch nach einer Erneuerung des Daisenberger-Textes. 1966 bestimmt der Gemeinderat Hans Schwaighofer als Spielleiter für 1970 und entscheidet sich für eine öffentliche Probeaufführung auf der Basis des Rosner Textes.
Hans Schwaighofer stellte 1966 in einer Lesung den Rosner – Text vor. Dazu wurden auch erste Bühnenbildentwürfe gezeigt. Im Jahr darauf entscheidet man sich wieder gegen die Probeaufführung.

Christusdarsteller Helmut Fischer

Nach dem Schwaighofers Version abgelehnt wird, tritt er vom Amt des Spielleiters für 1970 zurück. Anton Preisinger übernimmt die Spielleitung.

Kardinal Döpfner fordert ein Umdenken. Nach seinen Worten gehe es nicht "um eine Schuld oder gar Kollektivschuld der Juden“. Der alte Text bleibt. Alle Reformansätze scheitern. In Amerika kommt es zum Boykott jüdischer Organisationen gegen das Spiel. Kardinal Döpfner entzieht den Spielen den kirchlichen Sendungsauftrag, die „Missio Canonica“.

Das lebende Bild "Der Herr gibt den Israeliten das Manna" im Passionsspiel 1970.

Unter den Besuchern sind Julius August Kardinal Döpfner, Erzbischof von München und Freising und Rabbi Marc H. Tannenbaum.

Julius August Kardinal Döpfner, Erzbischof von München und Freising

Rabbi Marc H. Tannenbaum

Spielleiter Hans Schwaighofer

1977

Rosner Probe
Die Gemeinde beauftragt 1975 den Bildhauer Hans Schwaighofer mit einer Aufführung auf der Basis des Rosner-Textes von 1750, die sogenannte „Rosner Probe“. Der Künstler entwirft Bühnenbilder, Masken, Kostüme. Alois Fink schafft eine Spielfassung und der Komponist Wolfgang Fortner die Musik.

Nach siebenmonatigen Proben mit etwa 700 engagierten Mitwirkenden kommt es zu 8 Aufführungen, die von Publikum und Kritik sehr positiv aufgenommen werden. Bei einer anschließenden Bürgerbefragung entscheidet sich allerdings die Mehrheit dagegen die Rosner-Inszenierung für das Spieljahr 1980 zu übernehmen.

Mit großer Leidenschaft trieb Schwaighofer die Erneuerung der Passionsspiele voran, die schließlich mit der Rosner-Prob’ 1977 eine kulturell-historische Revolution in Oberammergau auslöste. In der Nachbetrachtung muss die Rosner-Probe jedoch als wichtiger Impulsgeber für die Fortentwicklung der Passion bewertet werden.

Hans Schwaighofer probt mit „Judas“ Peter Stückl

1980

37. Spieljahr
Nach großen innerdörflichen Auseinandersetzungen über die rechte Form der Passionsspiele greifen die Oberammergauer wieder auf den Text von Weis und Daisenberger zurück. Hans Schwaighofer zieht sich zurück, der Bildhauer Hans Maier leitet das Spiel. 1978 legen die amerikanischen Theologen Swidler und Sloyan im Auftrag der Antidefamation-League Vorschläge für eine positivere Darstellung des Judentums vor. Kleinere Textänderungen werden vorgenommen, im Großen und Ganzen aber verweigert man sich einer wirklichen Reform des Textes. Erstmals werden die 18 Hauptrollen mit zwei gleichberechtigten Darstellern besetzt. Somit sind die beiden ersten gleichberechtigten Christusdarsteller Gregor Breitsamter und Rudolf Zwink. 460.000 Besucher kommen nach Oberammergau.

1980
1980

Kardinal Ratzinger, Erzbischof von München und Freising, der spätere Papst Benedikt XVI. besucht das Spiel

Das lebende Bild "Joseph wird von seinen Brüdern verkauft" im Jahr 1980.

1984

38. Spieljahr - Sonderspiel zum 350-jährigen Jubiläum

Hans Meier leitet wieder die Spiele. Er nimmt größere Veränderungen an den Bühnenbildern Johann Georg Langs vor. Der Sohn des Spielleiters von 1922 – 1960, der Architekt Ernst Maria Lang, verklagt die Gemeinde wegen Verletzung der Urheberrechte. 480.000 Besucher strömen ins Passionstheater.

1984 gibt es im Gemeinderat einen Generationswechsel, dort entscheidet man sich, die Erneuerung der Passionsspiele voranzutreiben und wählte 1986 den damals 24-jährigen Bildhauer Christian Stückl zum Spielleiter für das Passionsspiel 1990.

Die Pietá. Die Mariendarstellerin Ursula Burkhart und Christusdarsteller Max Jablonka

Die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg Franz Josef Strauß und Lothar Späth, sowie der italienische Schauspieler Terence Hill besuchen das Jubiläumsspiel.

Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß hinter der Bühne mit den Passionsdarstellern

1990


40. Spieljahr
Generationswechsel: der erst 27-jährige Christian Stückl leitet die Spiele. Das bedeutet zugleich den Anbruch einer neuen Ära. Christian Stückl (*1961) und 2. Spielleiter Otto Huber (*1947) beginnen das Passionsspiel grundlegend zu reformieren. Sie gehen zwar auf das Daisenbergersche Originalmanuskript zurück, lassen aber neue exegetische, theologische und historische Erkenntnisse in ihre Bearbeitung des Textes einfließen. Das größte Kriterium der Textbearbeitung aber liegt auf der Vermeidung und Eliminierungen von Antijudaismen im Passionsspieltext. Parallel dazu überarbeitet und erweitert der musikalische Leiter Markus Zwink (*1956) die Musik.

Die Auseinandersetzungen um Stückls Spielleitung nehmen bisweilen dramatische Züge an.

Spielleiter Christian Stückl

Noch 1989 versucht ein Teil des Gemeinderates Stückl und sein Team zum Rücktritt zu bewegen. Zwar kann eine Abwahl des jungen Spielleiters knapp verhindert werden, doch zieht das Passionsspiel-Komitee die Zustimmung zu dem bereits genehmigten Bühnenbild von Alexander Kraut nach einer Unterschriftensammlung konservativer Kräfte zurück. Christian Stückl bringt eine neue, junge Generation von Spielern in die Hauptrollen.

Bis zu den Passionsspielen 1984 waren verheiratete Frauen und Frauen über 35 Jahren von einer Mitwirkung beim Passionsspiel ausgeschlossen. Im März 1990 wird diese Regelung vom Oberlandesgericht München aufgehoben, nachdem drei Oberammergauer Frauen einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die Gemeinde geführt haben.

Bei 98 Aufführungen kommen 480.000 Besucher nach Oberammergau.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker und der spätere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, sowie der aus Oberammergau stammende bayerische Ministerpräsident Max Streibl sind unter den Besuchern des Jahres 1990.

Richard von Weizsäcker, Bundespräsident

Max Streibl, Bayerischer Ministerpräsident

Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident

2000

41. Spieljahr

Christian Stückl wird durch einen Bürgerentscheid zum Spielleiter für die Passion 2000 ernannt. Es kommt zur größten Text-Reform seit 1860. Spielleiter Christian Stückl und Dramaturg Otto Huber legen das Passionsspiel als innerjüdischen Konflikt an. Fürsprecher und Widersacher finden sich innerhalb des Hohen Rats, im einfachen Volk, im engen Kreis der Getreuen.

Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu schreibt in der Wochenzeitschrift Die Zeit: „Die antijudaistischen Auslassungen im Originaltext des Dorfpfarrers Alois Daisenberger sind glücklicherweise getilgt.“ (Zeit, 31. Mai 2000)

Stückl und Huber geht es darum, der Figur des Jesus eine größere Individualität und mehr Raum zu geben. Jesus nicht auf sein Leid zu beschränken, sondern ihn vielmehr als starken Kämpfer für seinen jüdischen Glauben darzustellen.

 

In einer großartigen Gemeinschaftsleistung entstehen annähernd 2000 neue Kostüme und 28 neue Szenenbilder, die der Oberammergauer Bühnenbildner Stefan Hageneier entwirft.

Markus Zwink, der schon 1990 die Musikalische Leitung hatte, bearbeitet die Musik von Rochus Dedler.

Ein weiteres Mal wird das Mitwirkungsrecht erweitert. Bis zu den Passionsspielen 1990 durften nur christliche Oberammergauer teilnehmen, für das Spiel 2000 wird diese Regelung aufgehoben und das erste Mal nehmen auch muslimische Oberammergauer an den Spielen teil.

Am Spiel wirken 1.600 Erwachsene und 550 Kinder mit.

Insgesamt gibt es 110 Aufführungen mit rund 520.000 Besuchern.

Unter den Besuchern befinden sich der amerikanische Künstler Bob Wilson, Bundespräsident Roman Herzog, der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Schriftsteller Feridun Zaimoglu.

Der Einzug in Jerusalem

Bundespräsident Roman Herzog

Edmund Stoiber, Bayerischer Ministerpräsident

Bob Wilson, Regisseur

Feridun Zaimoglu, Schriftsteller

2010

42. Spieljahr

2010

Erneut bearbeitet das Team um Christian Stückl das Passionsspiel grundlegend. Neben der erneuten Bearbeitung des Spieltextes, erarbeitet der Bühnenbildner Stefan Hageneier eine klare Bildsprache mit farblich leuchtenden Lebenden Bildern. Die Musik wird von Markus Zwink erweitert und nimmt nun auch in den Spielabläufen eine immer größere Rolle ein. Erstmals wird die Aufführung, nach großen innerörtlichen Widerständen, in die Abendstunden hinein ausgedehnt.

Neubau einer fahrbaren Bühnenüberdachung, nach den Entwürfen der Architekten Jabornegg und Palffy, über die vormals offene Bühne des Passionsspielhauses.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff, Reinhard Kardinal Marx Erzbischof von München und Freising und der New Yorker Erzbischof Timothy Michael Kardinal Dolan sind Gäste der Passion 2010.

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Bundespräsident Christian Wulff

Timothy Michael Kardinal Dolan, Erzbischof von New York

Reinhard Kardinal Marx Erzbischof von München und Freising

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