Dar­steller

Spielleiter Christian Stückl erklärt wer bei den Oberammergauer Passionsspielen mitwirken darf. Denn nicht jeder darf mitspielen. Nur wer in Oberammergau geboren wurde oder mindestens 20 Jahre im Ort wohnt, hat das sogenannte »Spielrecht«.

Wer darf eigentlich bei den Passionsspielen auf der Bühne stehen?

In den ersten 250 Jahren durfte jeder mitspielen, der in Oberammergau wohnte. Irgendwann aber wurde das Dorf zu groß und deshalb hat man 1910 ein sogenanntes Spielrecht eingeführt, wonach man hier geboren oder mindestens 5 Jahre hier leben musste. 1930 musste man dann seit 10 Jahren in Oberammergau wohnen und als nach dem Zweiten Weltkrieg viele Vertriebene in unser Dorf kamen und Oberammergau um fast 2000 Einwohner anwuchs, wurde bestimmt, dass man mindestens 20 Jahren hier leben muss und dann das Recht erhält, an den Passionsspielen mitzuwirken. Heute sind von den 5000 Einwohnern etwa 3000 spielberechtigt. Letztes Mal haben über 2000 mitgemacht, also mehr als 60 Prozent. Wie viele es das nächste Mal werden, das weiß ich noch nicht.

 

Christian Stückl leitet 2020 die Oberammergauer Passionsspiele bereits zum vierten Mal

Wer sucht wie aus, wer welche Rolle spielt?

Anfang 2018 bekommt jeder, der in Oberammergau lebt,  einen Fragebogen. Dort darf er  seine Wünsche äußern:  Ich möchte gerne auf oder hinter der Bühne stehen, ich möchte Kulissenschieber sein, möchte einen Apostel spielen, einen römischen Soldaten,  oder  bei der Feuerwehr auf die Sicherheit im Theater wachen. All diese Wünsche können geäußert werden. Ich sammle die alle, aber die letzte Entscheidung bleibt dann bei mir. Die Sängerinnen und Sänger, und alle Musiker des Orchesters werden natürlich von unserem Dirigenten bestimmt.
Bei uns ist es Tradition, dass man sich für das Passionsspiel Bart und Haare wachsen lässt. Das macht einige Männer ganz wahnsinnig. Viele Männer sind eitel und manche haben Angst, dass mit langen Haaren ihre Chancen bei den Frauen schwinden und deshalb wollen sie unbedingt einen römischen Soldat spielen, da die Römer kurze Haare haben.

 

 

Was verändert sich im Dorf, wenn es dann losgeht mit dem Passionsspiel?

Was bei uns ja spannend ist, ist dass wir ununterbrochen um unser Passionsspiel streiten.  Jeder möchte mitreden, jeder glaubt zu wissen, wie das Spiel aufgeführt werden muss. Das ist aber ein Indikator dafür, dass es uns da wirklich um etwas geht. Wenn es dann aufs Passionsspiel zugeht, dann nimmt dieser Streit natürlich größere Ausmaße an. Man sucht und ringt nach der richtigen Form. Es geht auf die Spielerwahl zu, wo natürlich die große Frage entsteht, wer spielt welche Rolle, wer ist Maria, wer Jesus und wer darf den Pilatus spielen.

Aber dann, wenn  wir mit den Proben beginnen, wenn man gemeinsam auf der Bühne steht, dann wächst dieses ganze Dorf plötzlich total zusammen. Dann sind alle Generationen versammelt. Dann sitzt der siebenjährige mit dem 70-jährigen in einer Garderobe und plötzlich ist das ganze Dorf per „du“.  Das Passionsspiel  ist unser größter sozialer Event und das ist glaube ich auch das, was die Leute immer wieder zum Passionsspiel hinzieht, dass sie spüren, da versammelt man sich gemeinsam um eine große Sache.

Die Jesus Darsteller der letzten Passionsspiele

Frederik Mayet und Andreas Richter waren 2010 die beiden Jesus Darsteller. Die 21 wichtigsten Rollen sind in Oberammergau doppelt besetzt.

Die Jesus Darsteller der letzten Passionsspiele
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